Wenns mal nicht mehr rund läuft in der Ausbildung, bieten die Kammern sogenannte Schlichtungsverfahren an. Dies ist oftmals die letzte Möglichkeit, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen.

  • Wo Menschen zusammen arbeiten, kann es schon mal zu Konflikten kommen, auch in einem Ausbildungsverhältnis. Unterschiedliche Auffassungen und Erwartungen sorgen dabei für Auseinandersetzungen. Eigentlich sollte es gelingen, die Probleme durch Gespräche aus der Welt zu schaffen. Wenn trotz zahlreicher Vermittlungsversuche keine Lösung gefunden wurde, kommt es manchmal leider zu einer Kündigung. An dieser Stelle kann eine Schlichtung helfen. Wie so eine Schlichtung abläuft, haben wir die Teamleiterin der Ausbildungsberatung der IHK Pfalz, Ayten Yasar gefragt.

    Frau Yasar, was ist eine „Schlichtung“?

    Eine Schlichtung ist wie eine Verhandlung. Eine neutrale Instanz, in diesem Falle der IHK-Schlichtungsausschuss, versucht, durch einen Kompromissvorschlag den bevorstehenden Rechtsstreit beizulegen und bestenfalls eine Kündigung zu vermeiden.

    Wer sitzt in dem Schlichtungsausschuss und wie verbindlich ist das Verfahren?

    Der Ausschuss setzt sich zusammen aus Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, die diese wichtige Aufgabe ehrenamtlich ausüben. Aber keine Angst: Im Gremium ist niemand aus dem betroffenen Unternehmen.

    Das Schlichtungsverfahren hat rechtsverbindlichen Charakter. D.h., hier sind bestimmte Schritte zu befolgen und an den vorgeschriebenen Verlauf und das Ergebnis müssen sich die Beteiligten dann auch halten. Z.B. darf man einer solchen Verhandlung nicht unentschuldigt fern bleiben.

    Wer kann eine Schlichtung beantragen?

    Ein Schlichtungsverfahren kann sowohl durch den Azubi als auch durch den Ausbildungsbetrieb beantragt werden. Dazu muss bei der zuständigen IHK ein entsprechender schriftlicher Antrag gestellt werden (meist hat die IHK hierzu ein Formular). In diesem Antrag wird geschildert, was passiert ist (z.B. Abmahnung, Kündigung, ...), was der Anlass für das Problem war und weshalb die erfolgte Maßnahme nicht gerechtfertigt ist.

    Wie läuft ein solches Verfahren ab?

    Wenn ein Schlichtungsantrag vorliegt, werden die Beteiligten - Azubi, Unternehmen, Schlichtungsausschuss und zuständiger Ausbildungsberater - zu einem Gespräch eingeladen. Azubi und Ausbilder tragen noch einmal ihre Positionen vor. Der Schlichtungsausschuss unterbreitet dann einen Vorschlag zur gütlichen Einigung. Wird dieser Vorschlag von beiden Seiten akzeptiert, sind sie an dieses Urteil gebunden und die Schlichtung war erfolgreich.

    Beispiel:

    Ein Azubi wurde gekündigt, weil er oft zu spät zur Arbeit erschien. In der Schlichtung wurde der gesamte Sachverhalt erörtert: Wie oft kam er zu spät, wurde bzw. wie oft wurde er davor schon wegen demselben Grund abgemahnt, was ist der Grund für das Zuspätkommen, gibt es Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem? Es stellt sich im Gesprächsverlauf heraus, dass seine Mutter alleinerziehend ist und der Azubi noch einen kleinen Bruder im Alter von 4 Jahren hat. Da die Mutter in einer Bäckerei arbeitet und bereits morgens um 4 Uhr beginnt zu arbeiten, bringt der Azubi seinen kleinen Bruder in den Kindergarten. Dieser öffnet jedoch erst um 8 Uhr. Deshalb verpasst der Azubi manchmal seinen Bus. Hier kam es dann zu einer gütlichen Einigung. Es wurde vereinbart, dass der Azubi in Zukunft eine halbe Stunde später anfangen darf, aber dafür natürlich eine halbe Stunde länger arbeiten muss. Die Kündigung wurde zurück genommen und der Azubi darf seine Ausbildung fortsetzen.

    Was passiert, wenn auch die Schlichtung nichts bringt?

    Es kommt auch vor, dass eine Einigung nicht möglich ist. Dann informieren wir über die weiteren möglichen rechtlichen Schritte, die jede Partei hat. Oftmals ist dann leider nur noch der Gang zum Arbeitsgericht möglich.