Einsatz als Rasende Reporterin

Derzeit bin ich in der Lokal Redaktion in Bad Kreuznach eingesetzt. Eigentlich gehört der journalistische Teil nicht zur Ausbildung, denn wir absolvieren schließlich eine kaufmännische Ausbildung. Aber natürlich sollte man sein „Produkt“ genaustens kennen und deswegen darf ein Einsatz in der Redaktion während der Ausbildung nicht fehlen.

  • Und das ist auch gut so, denn nun weiß ich, dass es gar nicht so einfach ist einen Artikel in die Zeitung zu bringen. Worum soll es im Artikel gehen? Wo und wann soll er erscheinen? Wie soll ich vorgehen? Interview, Portrait oder Feature?  Das alles muss man erstmal organisieren.

    Der Tag eines Redakteurs startet, im Vergleich zu den kaufmännischen Kollegen, relativ „spät“. Um halb zehn kommen die Ersten und beginnen ihren Tag vorzubereiten. Dafür endet der Tag auch dementsprechend später. Als Redakteur darf man sich übrigens nur bezeichnen, wenn man eine abgeschlossene journalistische Ausbildung - ein Volontariat - abgelegt hat. Ein Volontariat geht zwei Jahre und kann auch bei uns, in der Rhein-Zeitung, absolviert werden. Leute, die ohne Volontariat Artikel schreiben, nennt man Reporter.

    Gegen zehn Uhr wird dann vom jeweiligen Redaktionsleiter zur täglichen Konferenz gerufen. Diese Konferenz ist extrem wichtig, denn hier werden alle aktuellen Themen vorgetragen, die momentan für und in der Region wichtig sind. Es wird entschieden, wer was übernimmt und die Seiten für den nächsten Tag werden geplant.

    Wenn ihr jetzt denkt, dass jeder sich ein Thema aussucht, dazu recherchiert und dann darüber einen Artikel schreibt, dann liegt ihr falsch. Denn die Seiten einer Zeitung müssen erstmal „gebaut“ werden. Und dieses bauen nimmt viel Zeit in Anspruch. Deswegen haben wir dafür Redakteure, die weniger Artikel schreiben und mehr Seiten bauen. Sie müssen schauen, dass alle Artikel auf die gewünschte Seite passen und auch die Werbeanzeigen noch auf den Seiten stehen. Ihr wisst ja, es darf kein Plätzchen frei sein. Und das zu koordinieren ist nicht einfach.

    Wenn Zeit ist, kann man aber auch noch zu einem Termin gehen oder einen Artikel schreiben. Und da geht man wie folgt vor: Man bekommt ein wichtiges, aktuelles Thema oder sucht sich eines aus. Dann recherchiert man dazu. Das heißt man schaut im Internet nach, sucht sich Kontakte raus und informiert sich, wo und wie es nur geht, über dieses Thema. Wenn man sich gute Kontakte rausgesucht hat, macht man mit diesen Personen Termine. Manchmal reicht auch nur ein Telefonat, doch meist fährt man hin, weil man ja auch ein gutes Foto schießen möchte.

    So war das auch bei meinem ersten Artikel: Er handelte vom Blaualgenbefall in einem Badesee in unserer Region. Ich recherchierte viel zu dem Thema, telefonierte mit dem Landesumweltamt, dem Gesundheitsamt, der zuständigen Ortbürgermeisterin und fuhr an den See, um mir selbst ein Bild der Lage machen zu können. 

    Wenn man alles an „Material“ zusammen hat, kann man sich an den Schreibtisch setzen und anfangen den Artikel zu schreiben. Hierbei muss man darauf achten, dass der Artikel auch haargenau in den Abschnitt passt, für den er vorgesehen ist, und auch das Bild muss noch reinpassen. Wenn alles passt und die Rechtschreibung überprüft ist, kommt der Artikel in den Redigier Pool.

    Jetzt fragt ihr euch, was ist denn das?
    Im Redigier Pool sitzen Redakteure, die dem Artikel den Feinschliff geben: nämlich eine Überschrift, ein Schlagwort und eine Unterzeile. Sie kürzen ihn wenn nötig und achten auch auf Grammatik und Zeichensetzung. Es gibt extra Redakteure, um sich Überschriften zu überlegen? Ja, und es ist wirklich nicht einfach, kann ich euch sagen! Wenn diese Redakteure fertig sind, speichern sie den Artikel ab und er wird später vom Spätdienst der Redaktion nochmal durchgelesen.

    Ihr erinnert euch, dass Redakteure relativ spät in den Arbeitstag starten. Vielleicht könnt ihr euch denken, warum. Man möchte so lange wie möglich am Arbeitsplatz sitzen, solange am Tag noch etwas spannendes passieren kann.  

    Ihr seht, es ist wirklich ein aufregender, manchmal auch stressiger Job!

    Das Tolle an dieser Arbeit ist wirklich, dass man so viele unterschiedliche Leute kennenlernt.  Die Zeit in der Redaktion ist also eine super Erfahrung und macht viel Spaß!

    Bis ganz bald,
    Lara