Kristalle und Alkohol im Unterricht

Hallo liebe Leserinnen und Leser!
Ich melde mich mal zurück um euch hier etwas über unseren Schulunterricht zu erzählen. Die Grippewelle, die zuletzt über Deutschland gefegt ist, hat natürlich auch den ein oder anderen Lehrer oder Mitschüler erwischt. Das gab uns etwas Zeit, um im Unterricht des zweiten Lehrjahrs (als dualer Student besucht man im ersten Lehrjahr sowohl den Schulunterricht des ersten als auch den des zweiten Lehrjahrs) einige Experimente mit einer Vertretungslehrerin durchzuführen, damit unsere erkrankten Mitschüler nicht zu viel des Unterrichtsstoffs verpassen.

  • Das heißt, wir konnten quasi den ganzen Tag im Schullabor verbringen und verschiedene Versuche zu unseren aktuellen Themen durchführen. Eines davon ist die Veresterung, zu der man tolle Versuche im Labor erarbeiten kann. So haben wir an diesem Tag aus einem Alkohol und Essigsäure in einer speziellen Apparatur einen Ester gekocht. Das besondere an dieser Reaktion ist, dass sie gleichzeitig sowohl in die Richtung der Produkte, als auch in die Richtung der Edukte verläuft, eine sogenannte Gleichgewichtsreaktion. Natürlich wollten wir, dass bei unserem Versuch möglichst viel unseres Esters also des Produktes entsteht. Durch unsere Apparatur konnten wir das Gleichgewicht der Reaktion so beeinflussen, dass genau dieser Fall eintritt. So hatten wir nach einigen Minuten aus unserem Alkohol und der Säure einen fruchtig duftenden Ester hergestellt. Auf dem Titelbild könnt ihr unsere Apparatur zu diesem Versuch sehen. Links neben meinem Ellenbogen seht ihr einen Glaskolben in dem das Flüssigkeitsgemisch durch den orangenen Heizpilz erhitzt wird.

    Ich habe ja in dem Interview erwähnt, dass uns dualen Studenten die Schule oft sehr leicht fällt und es somit schnell mal langweilig werden kann, doch an solchen Tagen macht die Schule echt Spaß! So kann man sich mal etwas vom theoretischen Schulalltag befreien.

    In unserem zweiten Versuch an dem Tag sollten wir einen mit Ruß verunreinigten Feststoff reinigen. Dies sollte durch eine Umkristallisation geschehen, die wir aktuell in Lernfeld 6 zum Thema haben. So mussten wir den Feststoff in heißem Wasser lösen und dann die Rußpartikel durch einen Filterapparat von der Lösung trennen. Blöderweise ist uns dabei zuerst ein kleines Missgeschick passiert. Wir hatten vergessen unseren Filterapparat zu erwärmen und als wir unsere heiße, verunreinigte Lösung damit Filtrieren wollten, verstopfte der wieder kristallisierte Feststoff unseren Trichter. Doch auch dafür hatte unser Lehrer eine Lösung. Wir sollten nun den Trichter vorsichtig mit dem Bunsenbrenner erhitzen und schon löste sich der Feststoff wieder im nachlaufenden Wasser und wir konnten unseren Filtriervorgang fortsetzen. Danach lief zum Glück alles wie am Schnürchen, was auch unser Ergebnis bestätigte. Wir haben es nämlich geschafft den Feststoff fast vollständig zu reinigen. Und weil wir so schnell gearbeitet hatten konnten wir am Ende noch ein paar Minuten relaxen bevor wir in unseren wohl verdienten „Feierabend“ entlassen wurden.

    Ich hoffe ich konnte euch zeigen, dass der Schulunterricht manchmal echt spannend sein kann, auch wenn sich Schule für viele alles andere als spannend anhört. Der berufsbezogene Unterricht kann nun mal ganz anders sein, als der klassische Schulunterricht den man aus der Realschule oder vom Gymnasium kennt!

    Ich hoffe, euch hat mein erster „richtiger“ Blogbeitrag hier gefallen und ich freue mich euch weiterhin über mein duales Studium und alles was damit zusammen hängt zu berichten. Nächste Woche beginnen in Rheinland-Pfalz die Schulferien, das heißt für uns, dass wir an den Tagen, an denen wir normalerweise Schule hätten, auch in den Betrieb gehen dürfen. (Oder man macht es wie ich und nimmt sich ein paar Tage Urlaub *zwinker*.)

    Macht’s gut und bis zum nächsten Mal

    Euer Blogger Jean!