Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft – Was ist das?

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Porträt Junge mit orangener Sicherheitsweste

Oft werde ich gefragt, was ich genau beruflich mache – als Antwort hat der Name meiner Ausbildung noch nie gereicht. Viele Leute und auch Freunde verbinden den Namen oft mit dem Beruf des einfachen Müllmannes. Immerhin steckt ja das Wort "Abfall" drin. Dabei ist der Beruf wesentlich vielseitiger und je nach Unternehmen sogar sehr unterschiedlich. 

Als ausgelernte Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft kann man in vielen Bereichen der Abfallwirtschaft arbeiten, wodurch dieser Beruf in naher und ferner Zukunft sehr reich an Perspektiven bleibt. Man kann in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden, wie zum Beispiel in Laboren, Bereichen der Gase und Abwasser, sowie auch in chemischen Bereichen. Dabei hat die Fachkraft die Aufgaben, Proben zu nehmen, Gefahrstoffe richtig zu erkennen und fachgerecht einzulagern oder zu entsorgen. Gerade durch so eine ausgeweitete Einsetzbarkeit ist die Ausbildung zukunftssicher und intensiv. 

Die Ausbildung
Die Dauer der Ausbildung beträgt 3 Jahre. In dieser Zeit sieht man sehr viel von der Abfallwirtschaft und ist oft unterwegs. Keine Chance für Langeweile. Während ich die meiste Zeit an unseren Wertstoffhöfen verbringe, bin ich auch oft anderweitig unterwegs. Dabei war ich zum Beispiel zwei Wochen in der Müllverbrennungsanlage Wuppertal eingesetzt, wo ich u.a. gelernt habe, wie durch die Müllverbrennung der Emissionsschutz trotzdem gewährleistet und neue Energie produziert wird. Andere Stationen der Ausbildung waren zum Beispiel die Stadtwerke Bochum, welche uns sechs Wochen schlosserische Techniken für die Zwischenprüfung beigebracht haben, zwei Wochen Kläranlage Witten/Bochum des Ruhrverbandes und einige Vorbereitungskurse für Schule und Prüfungen in Essen. Man sieht also viele Bereiche der Abfall- und Kreislaufwirtschaft und wird bestens auf den Beruf vorbereitet.

Ausbildung an der Zentraldeponie
In meinem Betrieb habe ich sehr viel mit Kunden zu tun. Schon seit dem ersten Tag wurde mir gezeigt, wie man richtig mit Kunden umgeht und fachkundig berät. Hierbei berate ich die Kunden bei Fragen zur richtigen Entsorgung ihres Abfalles und nehme auch ihre Gefahrenstoffe entgegen und sortiere sie richtig ein. Darunter kann man sich Abfälle wie Öle, Spirituosen und sogar gefährliche Säuren und Laugen vorstellen. Ich staune selbst nach fast zwei Jahren immer wieder, was einige Menschen in ihrem Keller über Jahre gesammelt haben. Säuren und Laugen hat natürlich wirklich jeder in seinem Keller liegen. Einfach so, unverschlossen. Andere Aufgaben sind für mich die Einweisung von Containern, Sortierung von Elektroabfällen oder auch einige Besorgungen oder Versorgungen mit dem Dienstfahrzeug. Ein Führerschein ist immer von Vorteil. 

Berufsschulfakt: Nicht alles ist nur Chemie
Die Leute, die den Beruf doch schon etwas näher kennen, wissen, dass Chemie ein großer Bestandteil der Ausbildung ist, sowie im praktischen, als auch im theoretischen Bereich der Schule. Allerdings braucht die Chemie niemanden abzuschrecken. Zu Beginn der Berufsschule fängt der Lernstoff komplett bei 0 an, wodurch auch die Schüler die Chance haben mitzukommen, welche nie viel von der Chemie in der Schule hielten, oder sogar nicht einmal gehabt haben. Ebenso sollten zwar Mathematikkenntnisse da sein, allerdings müssen diese nicht die Abiturreife besitzen. Der USB Bochum hat uns sogar vor dem ersten Block zu einer Fortbildung in Essen geschickt, wo wir auf den Schulstoff langsam und konzentriert vorbereitet wurden. Dort waren auch viele Auszubildende von anderen Firmen vertreten, mit denen wir auch in eine Klasse zur gleichen Ausbildung kamen. Nicht nur Chemie wird damit in der Berufsschule unterrichtet, sondern auch der richtige Umgang mit Word und Excel, Biologie für die Umwelttechnik und Maschinengerätetechnik, welche sehr viel mit mathematischen Formeln zu tun hat, die man aber erst in der Berufsschule erlernt. Was auch immer wieder Spaß macht, ist die Laborarbeit in der Schule, welche uns auf die Prüfungen vorbereitet. Dort lernt man unter anderem wie man Gefahrenstoffe wie Säuren und Laugen neutralisiert.