Vertrauen, Verantwortung und Spaß - Abteilung Nahverkehr

Hallo ihr Lieben,
ich berichte euch nun über meine Praxisphase in der Nahverkehrsabteilung. Zuerst möchte ich den Begriff Nahverkehr erklären: Wir teilen unsere Relationen in Leitgebiete ein, wobei das Leitgebiet des Nahverkehrs einen 100km-Radius um den Standort beschreibt. Wenn ihr euch also Worms auf der Karte betrachtet, bedeutet das, dass wir zwischen Kaiserslautern und Erbach im Odenwald, sowie zwischen Speyer und Mainz Güter abholen und zustellen.

  • Die Nahverkehrsabteilung ist organisatorisch in Zustellung und Abholung unterteilt, außerdem wird zwischen dem großen und dem kleinen Nahverkehr unterschieden.

    Der kleine Nahverkehr umfasst Lastwagen bis 12,5t Gesamtgewicht, wohingegen der große Nahverkehr alle Lastwagen umfasst, die über diesem Gesamtgewicht liegen. Unser Schwerpunkt liegt auf dem Sammelgutverkehr, also mehrere Frachtstücke von verschiedenen Versendern, die in unserer Umschlagshalle zu Touren zusammengefasst werden. Im Schnitt liegt ein Frachtstück im Sammelgutverkehr bei 250kg.
    Jeder Fahrer des kleinen Nahverkehrs hat ein festes Tourengebiet, in welchem er die Abholungen und Zustellungen durchführt, wohingegen die Fahrer des großen Nahverkehrs sogenannte Springer sind, also je nach Bedarf zugeteilt werden und aufgrund ihrer hohen Nutzlast vor allem Teilladungen und Komplettladungen fahren. Aufgabe der Abteilung ist es, die Tour jedes Fahrers möglichst wirtschaftlich zu planen.

  • Der Ablauf

    Der Nachtdisponent verteilt in der Nacht die Abhol- und Zustellaufträge für den kommenden Tag auf die verschiedenen  Tourengebiete.
    Wenn morgens die Fahrer bei uns ankommen, sind in der Umschlagshalle schon die Zustellsendungen an den Verladetoren nach Tour zusammengefasst, sodass die Fahrer anfangen können ihre LKWs zu beladen.

    Jedes Frachtstück wird dabei gescannt, was bei uns im System direkt erkennbar ist. Wenn anschließend der Fahrer an unseren Schalter kommt, können wir überprüfen, ob alles geladen wurde. Ist alles geladen, kann der Fahrer seine Tour beginnen.
    Im Normalfall fährt der Fahrer seine Tour ab,  stellt bei den Empfängern die Sendungen zu und auf der Fahrt zurück nach Worms holt er neue Sendungen ab, die wiederum bei uns im Lager umgeschlagen werden. Was abgeholt werden muss, wird von der Abholung des Nahverkehrs organisiert und geplant.

    Bis 12 Uhr können die Kunden für den laufenden Tag noch Abholungen anmelden, die dann während der Fahrer unterwegs ist, auf dessen Scanner geschickt werden. Die Zustellung des Nahverkehrs avisiert beim Empfänger die Ankunft der Sendungen, was meistens telefonisch erfolgt.

    Meine Aufgaben

    Ich war sowohl Teil der Abholung als auch der Zustellung. 

    In der Abholung ist es wichtig im 10-Minuten-Takt zum Drucker zu laufen, um den Überblick über die neuen Abholaufträge zu behalten. Ich habe dann zugeordnet, in wessen Tourengebiet der Versender fällt, geprüft, ob der jeweilige Fahrer noch Kapazität hat und die Daten dann nach Absprache mit dem Fahrer auf dessen Scanner geschickt. Manche Aufträge verlangen, dass beim Versender vor der Abholung telefonisch geklärt wird, wann der Fahrer vor Ort sein kann.

    Ziel ist es, möglichst alle bis 12 Uhr ankommenden Aufträge noch zu bearbeiten, ohne dass ein Überhang entsteht. Überhang ist, wenn weniger Kapazität zur Verfügung steht als Abholungen offen sind und deshalb Sendungen stehen gelassen werden müssen bis zum nächsten Tag. Oft hilft dem kleinen Nahverkehr dann der große Nahverkehr mit den Springern aus. Wenn die Fahrer am Ende des Tages wieder an meinen Schalter kommen, gleiche ich die Aufträge, die ich für den jeweiligen Fahrer eingeplant habe mit denen ab, die er tatsächlich bearbeitet hat. Sollte eine Abholung nicht funktioniert haben, muss ich im System angeben, was der Grund dafür war. Alle erfolgten Abholungen melde ich ab, damit sie für den Umschlag und die Versendung freigegeben sind.

    In der Zustellung habe ich für den Fahrer die sogenannten Rollkartenmappen erstellt. Dafür gibt mir der Fahrer seine geladenen Sendungen und gibt mir gegebenenfalls die Information, wenn eine Sendung nicht mehr auf seinen LKW gepasst hat.
    Ich schaue dann im System nach, ob alle geladenen Sendungen gescannt wurden und trage die Sendungen nach, die nicht vom Scanner angenommen wurden. Wenn der Fahrer unterwegs ist, hält er mit mir Rücksprache, wenn eine Zustellung nicht funktioniert, zum Beispiel, wenn er den Empfänger nicht antrifft oder die Adresse nicht korrekt ist, damit ich das im System vermerken kann. Eine Hauptaufgabe der Zustellung ist dann die Avisierung der Kunden im Leitgebiet per Telefonanruf, um einen geeigneten Zeitpunkt für die Zustellung zu ermitteln. Da DHL Freight GmbH eine Spedition ist, also große Frachtstücke transportiert werden, ist es wichtig, dass der Empfänger vor Ort ist, um die Ware anzunehmen.

    Fazit

    Der Nahverkehr ist eine turbulente Abteilung, die mir von Anfang an viel Vertrauen entgegengebracht und Verantwortung übertragen hat. In meiner ersten Abteilung schon selbst disponieren zu dürfen, war mehr als aufregend.

    Es herrscht ein großer Zeitdruck, da hier wirklich Zeit Geld bedeutet und zufriedene Kunden sowie möglichst gute Auslastung der Lastwagen das Ziel sind. Mir hat der Druck Spaß gemacht. Es gab keine Leerläufe, um Däumchen zu drehen und ich habe mich als gleichwertige Mitarbeiterin der Abteilung gefühlt. Besonders spannend war, dass der Fahrer für die Tour nach Birkenau über Hüttenfeld, Hemsbach, Viernheim und Weinheim mich einen Tag lang mitgenommen hat, um den Ablauf auch aus Sicht des Fahrers kennenzulernen!

    Bis bald
    Eure Jessica